WAS BEINHALTET DAS HEUTIGE JIU JITSU?

Was beinhaltet das heutige Jiu-Jitsu und wie wird es gelehrt?

Der Grund für diese Renaissance des Jiu-Jitsu ist außerdem die Tatsache, dass durch einige technische Änderungen das moderne Jiu-Jitsu Programm schematisiert und auf das Notwehrgesetz, sowie der heutigen Angriffsweise angepaßt wurde. Es werden Falltechniken, Würfe, Haltegriffe, Hebel- und Transporttechniken, sowie Schlag-, Stoß- und Trittechniken gegen vitale Punkte (Atemipunkte), sowie Nervenpunkttechniken und insbesondere der Bodenkampf gelehrt.

Das moderne Jiu-Jitsu vermittelt neben dem Selbstverteidigungsaspekt, Geduld und Einfühlungsvermögen beim Umgang mit dem Partner sowie das erforderliche Selbstbewußtsein für den Ernstfall. Das Umsetzungspotential der Techniken wird so realistisch wie möglich geschult unter Berücksichtigung der psychischen Streßfaktoren, welche bei einem Angriff entstehen. Einen Teil der Ausbildung stellt die spezielle Kampfkunst-Gymnastik dar, welcher die Muskeln elastisch und zugleich widerstandsfähig machen, den Nacken, die Finger, die Rücken- und Bauchmuskeln kräftigen und die Wirbelsäule stark und biegsam werden läßt.

Im schematisierten Jiu-Jitsu Ausbildungsprogramm gibt es 5 Schüler- und 10 Meisterstufen welche durch immer schwerer werdende Prüfungen erlangt werden können. Die Stufen sind durch folgende Gürtelfarben gekennzeichnet: weiß, gelb, orange, grün, blau, braun, schwarz ( vom 1. bis 5. Dan ), rot-weiß gestreift ( vom 6. Bis 8. Dan ) und rot ( ab den 9. Dan ).

Das Jiu-Jitsu hat es eine sehr große technische Bandbreite, innerhalb derer der Schüler seinen ganz persönlichen Stil entwickeln kann. Er kann im Jiu Jitsu auf individuell-experimenteller Basis ein auf seine Belange zugeschnittenes Jiu Jitsu entwickeln, dass aus jenen Elementen und Techniken besteht, mit denen er selbst am besten zurecht kommt. Diese offene und individuelle Haltung stellt den größten Unterschied zu manch anderen Kampfkunststilen dar. Deshalb werden beim
Jiu-Jitsu anders als z.B. in anderen Kampfkunst bzw. Kampfsportarten, nicht immer eine bestimmte Abwehr gegen verschiedene Angriffe, sondern verschiedene Abwehren gegen bestimmte Angriffe gelehrt, was die individuelle Fertigkeit des Einzelnen zu Tage treten lässt.

Bei der individuellen Entwicklung spielen Bedingungen wie Alter, körperliche Konstitution, Stilpräferenzen etc. eine große Rolle. Jiu-Jitsu ist als Kampfkunst auch an der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen interessiert als an einer festgelegten Bewegungsform, die möglichst perfekt vorzuführen ist.

Das heutige ,,Jiu-Jitsu" stellt ein in sich fest fundamentiertes, schematisiertes und erfolgreiches Verteidigungssystem dar. Es hat in Europa eine Erfahrung von Jahrzehnten und zählt zu den populärsten Selbstverteidigungen für Kinder ab 6 Jahren, Jugendliche, Damen und Herren bis ca. 75 Jahren. Ein Jiu Jitsu Meister wird einen Schüler zwar führen, ihm aber nie einen bestimmten Stil aufdrängen.

Abwehrelemente des Jiu-Jitsu beinhalten alle Distanzen eines möglichen Kampfes

Fall-, Roll- und Ausweichtechniken, Wurftechniken, Hebel- und Würgetechniken, Schlag-, Stoss- und Blocktechniken, Bodenkampf-Techniken, Nervenpunkttechniken, sowie Sicherungs- und Transporttechniken, Abwehr von bewaffneten und unbewaffneten Angriffen.

Die fünf Phasen eines Jiu-Jitsu Kampfes

1. Die Fußtritt-Distanz
Die erste Distanzphase, die in einem Kampf auftreten kann, ist die Fusstritt-Distanz. Um die Entfernung zum Aggressor zu überbrücken, gelangt der Jiu Jitsuka mit einer Tritttechnik und einer guten Deckung zu seinem angreifenden Gegner. Die meisten Jiu Jitsukas vermeiden es jedoch mit einer Fußtritttechnik anzugreifen, da die Gefahr des greifens der Beine und dadurch der Aufgabe eines sicheren Standes zu groß ist. Sie versuchen schnell in die Distanz 3 u. 4 zu gelangen und durch sogenannte Takedowns (Beingreif und Wurftechniken) den Gegner zu Boden in die Distanz 5 zu zwingen.

2. Die Faustkampf-Distanz
Ist die körperliche Nähe des Gegners allerdings zu groß für Tritttechniken werden aus diesen Abwehrangriffen Arm- bzw. Faustkampftechniken. Hier kommen Techniken zum Tragen wie wir sie im westlichen Boxen (kurze Gerade, Gerade, Haken, Uppercut) kennen gepaart mit Fausttechniken der Rückfaust und Handballenstöße und- oder Weiterführungstechniken mit Handfeger um den angreifenden Gegner mit Hebeltechniken am Arm zu kontrollieren bzw. auszuschalten.

3. Die Knie- und Ellbogen-Distanz
Ist die körperliche Nähe des Gegners allerdings zu groß oder stößt der Jiu Jitsu Kämpfer auf gegnerische Blocks oder Angriffe, werden aus den begonnenen Faustabwehrangriffen dann Ellbogen- und Kniestöße.

4. Die Wurf- und Gegenwurf-Distanz
In dieser Distanz befindet man sich in einer extremen Nahkampfsituation. Es kommt dabei zu einem Kampf mit Halten, Hebeln, Immobilisieren, Kontrollieren, Würgen, Werfen und Gegenwerfen.

5. Bodenkampf-Distanz

Auch diese letzte Phase gehört zu einem speziellen Jiu-Jitsu Programm und ist gerade im Stil des Brasilianischen Jiu-Jitsu einer der Stärken. Sollte man, aus welchen Gründen auch immer, in diese Kampfdistanz gezwungen werden, versucht der Jiu Jitsu Kämpfer, den Gegner möglichst schnell unter Kontrolle zu bringen und am besten in der Mountposition/Oberlage (Bergposition bzw. Reitsitz), da dies eine überlegende Position ist wo man noch mit Schlagtechniken am Boden einwirken kann und dann zu Kontroll- bzw. Submissiontechniken (Finalisierungstechniken) übergehen und den Gegner kontrollieren kann. Ziel muss es auch immer sein einen eigenen Arm bzw. ein Bein frei zu bekommen. In der Selbstverteidigung ist hierbei immer das oberste Ziel, diese Distanz möglichst schnell zu verlassen, da man generell im Boden den Vorteil von Bewegung und schneller Flucht aufgeben muss, wenn man auf der Straße kämpft und auch die widrigen Bodenverhältnisse berücksichtigen muss, denn es ist nicht gerade angenehm auch in einer überlegenen Position auf den Knien kämpfen zu müssen und zweitens weiß man nicht ob mein Angreifer noch weitere Freunde hat die dann auf mich eintreten oder schlagen werden wollen.





Wie kam Jiu Jitsu nach Europa?
Was ist Kampfsport-was Kampfkunst?